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  Klomanager - Die offizielle Internetseite
 

Wie alles begann

Ein Programmierer erzählt von der Entstehung einer ungewöhnlichen Wirtschaftssimulation auf dem Atari ST. Erfahren Sie, wie sich die Urversion des Klomanagers von der ersten Idee bis hin zum fertigen Spiel entwickelte.

Als ich mich im Sommer 1993 mit drei Schulfreunden in Ronalds Küche traf, wollten wir eigentlich nur unsere gemeinsame Reise nach Frankreich planen. Ich hatte das Abitur hinter und das Leben vor mir, und die Reisekasse reichte gerade bis an die französische Westküste. Es sollte eine Campingtour werden, vor der wir natürlich einiges zu besprechen hatten. So saßen wir also eine Weile um den Küchentisch versammelt, bis Ronald eine Bemerkung fallen ließ, deren Auswirkungen damals noch niemand von uns erahnen konnte: Wir mögen doch bitte genügend Klopapier auf die Reise mitnehmen! Ich war zunächst verdutzt und hielt das ganze für einen Witz - schließlich war ich schon oft verreist und hatte dabei alles mögliche im Gepäck, aber niemals Klopapier! Verunsichert fragte ich also nach, wieviel man denn da am besten mitnähme - doch meine Frage blieb unbeantwortet, statt dessen mußte ich Hohn und Gelächter über mich ergehen lassen. Man witzelte zunächst, daß es von meinem persönlichen Verbrauch abhängig sei, und daß ich selbst über die Höhe meines Bedarfs Bescheid wissen müsse. Der Spott gipfelte schließlich in der Frage, ob ich mir den Hintern im Sitzen oder im Stehen abwische - ich erspare dem Leser die Antwort...
Nach einiger Zeit hatten sich die Gemüter wieder beruhigt, aber das Problem des ausreichenden Vorrats an Klopapier beschäftigte uns noch eine ganze Weile. So kamen wir schließlich auf die Idee, ein Programm zu entwickeln, daß diese Verwaltungsaufgabe übernimmt. Der grobe Gedanke war der, daß nach jedem Stuhlgang die verbrauchte Menge an Blättern eingegeben wird, so daß der aktuelle Vorrat immer ersichtlich ist. Schließlich kamen wir auf die Idee, ein Spiel zu entwickeln, das die Verwaltung öffentlicher Toiletten zum Inhalt hat - der Klomanager war geboren!

Doch nun stand erst einmal unsere Reise bevor. Ronalds klappriger Opel Ascona war vollgepackt bis an den Rand, so daß wir sogar in Erwägung zogen, den Ersatzreifen zuhause zu lassen. (Was allerdings ein Fehler gewesen wäre, wie sich später noch herausstellen sollte.) Auch für unsere zwei Blasebälge war eigentlich kein Platz, so daß ich Ronald überredete, auf seinen zu verzichten und nur meinen viel kleineren und handlicheren in den hoffnungslos überfüllten Kofferraum zu stopfen. (Was in der Tat ein Fehler war, wie sich später noch herausstellen sollte.) Wir traten also schließlich die Reise an. Es war eine lange Fahrt. Es war eine unangenehme Fahrt. Ich glaube ich haßte die Fahrt. Es war Hochsommer und damit elend heiß im Auto. Dabei saß ich sogar noch auf der schattigen Seite. Leider brachte auch der Einbruch der Dunkelheit keine Linderung unseres Leidens, denn mit Ronald als Fahrer war an Schlaf nicht zu denken. Er brauchte unbedingt laute Musik um wach zu bleiben, außerdem mußte er das Fenster offen lassen, weil seine Augen sonst trocken würden - nach der Tageshitze war es nun also elend kalt im Auto. Doch das beste kam erst noch: Eine Aktion, die später als "Tankstellenpoker" bekannt werden sollte. Ronald sah nämlich trotz des beinahe leergefahrenen Tanks keine Veranlassung, an der nächsten Tankstelle anzuhalten und neuen Treibstoff zu besorgen. Er meinte, da würde schon noch eine andere Tankstelle kommen - Ronald hatte aber leider kein Glück im Spiel, und wir verloren mit ihm...

Irgendwann erreichten wir aber schließlich den Campingplatz an der Küste und konnten endlich Ronalds Auto verlassen, das wir von nun an nur noch liebevoll "Dreckskarre" nannten. Ziemlich früh bezahlten wir dann auch für die Platzersparnis, die uns mein kleiner Blasebalg einbrachte: Das Ding war total im Eimer und es dauerte beinahe eine Ewigkeit, die Luftmatratzen damit aufzublasen. Nun hatten wir aber endlich Zeit für Sonne, Strand und hirnrissige Ideen für Klomanager. Leider spielte das Wetter aber nicht so richtig mit, so daß wir uns nach ein paar Tagen dazu entschlossen, ans Mittelmeer weiterzufahren. Wir mußten der "Dreckskarre" also abermals unser Vertrauen schenken, und eine kaputte Schlauchschelle war auch das einzige, das uns zu einer kurzen Unterbrechung zwang. Am neuen Urlaubsort angekommen war uns die Witterung weitaus freundlicher gesonnen. Neben einigen Aufenthalten am Strand verbrachte vor allem Ronald viel Zeit damit, französische Atari-Magazine zu lesen, die ich ihm teilweise übersetzen mußte. Vielleicht las er auch etwas zu viele davon, denn er bekam nach einiger Zeit so starkes Heimweh nach seinem Rechner, daß wir unsere eigentlich dreiwöchige Reise nach knapp eineinhalb Wochen beendeten. Abgesehen von einer Reifenpanne verlief die Heimfahrt allerdings ohne besondere Vorkommnisse.

Wieder zuhause angekommen, war meine Motivation den Klomanager zu programmieren nicht sonderlich groß. Das war sie eigentlich nie, denn so lustig ich die Idee fand, so unangenehm war mir die mit der Umsetzung verbundene Arbeit. Andererseits wäre es einfach zu schade gewesen, wenn die Welt den Klomanager niemals zu Gesicht bekommen hätte und unsere Spinnereien für immer unter uns geblieben wären. Ich konnte mich also letztendlich doch dazu überwinden, die ganze Sache anzupacken. Ich besaß damals einen C64 und einen Amiga 500, wobei ich letzteren als erstes Zielobjekt für meine Programmierkünste nahm. Leider kam ich dabei auf keinen grünen Zweig, entweder war die Kiste nicht geeignet oder ich zu doof um damit umzugehen. Darauf riet mir Ronald, den Klomanager auf dem Atari ST umzusetzen, er hatte sogar die nötige Entwicklungssoftware dazu parat. Er hätte mir seine Kiste auch ausleihen können, denn er war zu diesem Zeitpunkt bereits stolzer Besitzer eines Atari Falcon. Dummerweise hatte er aber keinen Monitor übrig, und sein Atari ST war ein Modell ohne Fernsehausgang. Allerdings hatte ein gemeinsamer Freund einen Atari ST mit dem gewünschten Anschluß, der ursprünglich sogar Ronald gehörte - die beiden hatten die Rechner getauscht, weil auch er nur einen Fernseher zur Verfügung hatte. Also schien die Lösung naheliegend: Ich müßte mir nur den Atari ST mit Fernsehausgang von unserem Freund leihen und könnte dann endlich den Klomanager programmieren! So einfach war es allerdings nicht. Der Atari ST war bereits jemandem versprochen, der aufgrund einer Verletzung das Haus nicht verlassen konnte und damit wenigstens die Möglichkeit haben sollte, sich die Zeit mit Computerspielen zu vertreiben. Doch auch dieses Problem konnte gelöst werden: Ich bot meinen Amiga 500 als Ersatz an und bekam dafür endlich den Rechner, auf dem ich Klomanager entwickeln konnte.

Es dauerte nicht lange bis eine erste spielbare Version erstellt war. Stolz präsentierte ich sie Ronald, der das Ganze auch gleich kritisch unter die Lupe nahm - doch er war nicht wirklich zufrieden. Vor allem hatte ihn gestört, daß man den Klomanager innerhalb weniger Minuten durchspielen konnte. Also wurde das Spiel nach und nach ausgebaut, was nicht zuletzt dank Ronalds konstruktiver Kritik recht einfach war. So ging die Arbeit eine ganze Weile zügig voran, bis mir der Zivildienst ab Januar 1994 die Zeit raubte und damit für eine Unterbrechung von mehreren Monaten sorgte. In dieser Zeit hatte ich ein ziemliches Motivationstief hinsichtlich des Klomanagers. Ich war mir nicht sicher, ob ich ihn jemals zu Ende bringen würde. Doch es gelang mir schließlich, meinen inneren Schweinehund zu überwinden. Ich opferte bereitwillig meinen gesamten Sommerurlaub von fünf Wochen und verbrachte Tag und Nacht vor dem Computer. Besonders nachts arbeitete ich dabei unter erschwerten Bedingungen, da mein Vater die Angewohnheit hatte, etwa zwischen 3:00 und 4:00 Uhr morgens seine Blase zu erleichtern und mich gleich anschließend über die negativen Auswirkungen meines nächtlichen Treibens zu belehren. Ich begriff schnell, daß das Licht aus meinem Zimmer mich verriet und konnte mich daher entsprechend verhalten: Sobald ich Geräusche auf der Treppe hörte, sprang ich wie ein dressierter Hund zum Lichtschalter und war mucksmäuschenstill. Dieses Manöver war zwar lästig, dauerte aber deutlich kürzer als der wenig abwechslungsreiche Vortrag meines Vaters über seine Stromrechnung. So gelang es mir tatsächlich, den Klomanager zu vollenden!

Jetzt war es nur noch ein kleiner Schritt bis zur Veröffentlichung des Spiels in den Mailboxen der Atari-Benutzer. Ich verstehe bis heute nicht, warum wir dazu mehrere Monate brauchten. So gelangte der Klomanager erst irgendwann im Laufe des Jahres 1995 ans Licht der Öffentlichkeit. Richtig bekannt wurde er allerdings erst durch die Hilfe eines begeisterten Spielers, der Ronald mit einem Anruf am späten Abend aus dem Bett klingelte und eine Veröffentlichung in der Zeitschrift "Atari Inside" vorschlug. Er hatte Beziehungen zu deren Redaktion und setzte sich dafür ein, daß ein von uns verfaßter Bericht mitsamt Bildschirmfotos in der Ausgabe 1/96 des Magazins gedruckt wurde. Der Klomanager fand schnell Verbreitung und wurde schon bald zur Legende...